Geologie des Mägdebergs

Die Wohnstelle befindet sich etwa 60 Meter unterhalb der mittelalterlichen Burg, gerade am Beginn des natürlichen Schuttkegels, der sich, rings um den Berg gebildet hat, und nur wenig höher als das heutige Hofgut. Das berührt zunächst merkwürdig, denn jene frühesten Bewohner haben sich damit an einer Stelle angesiedelt, wo der rutschende Hangschutt und Steinschläge ihrem Haus manche Gefahren brachten. Ein weiterer Nachteil des Platzes kommt hinzu, Da die Siedlungsstelle am Nordhang liegt, gerät sie im Sommer schon gegen 11 Uhr morgens und im Winter noch früher in den Schatten des Berges. Es ist daher anzunehmen, dass das Haus jeweils nur während des Sommers bewohnt war 7).

Die Nachteile des Siedlungsplatzes werden aber durch mehrere Vorzüge aufgewogen, dieselben, die noch 1830 für die Verlegung des neuen Gutshofes an diese Stelle bestimmend waren: Der Berghang bot der Siedlung Schutz gegen die von Westen kommenden Winde der Schlechtwetterperioden; zudem besteht gerade der Osthang des Mägdebergs grossenteils aus gutem Wiesen- und Weideland, das vor allem auch in trockenen Jahren ertragreich bleibt. Das war vor 3000 Jahren nicht anders als heute. Noch weit wichtiger war ein dritter Vorteil des Platzes: Nur 30 Meter nördlich von ihm entspringt eine Quelle, der heutige „Eselsbrunnen“. Diese noch im Mittelalter „heilige“ Quelle, die jetzt nur noch als Viehtränke dient und ihre einstige Bedeutung kaum noch ahnen lässt, hat in der früheren Besiedlungsgeschichte des Berges eine grosse Rolle gespielt, sie war die einzige natürliche Wasserquelle im Bereich des Burgfelsens.

Das urtümliche Haus jener ältesten Bewohner des Mägdebergs muss von der älteren Hallstattzeit (rund 800 v. Chr.) bis gegen Ende der Latènezeit (etwa 250 v. Chr.) bewohnt gewesen sein. Wie das mehrfach gestörte Profil der Grube verriet, ist es manchmal von Steinschlägen und Geröllawinen getroffen und zerstört worden. Aber mit einer bemerkenswerten Zähigkeit haben seine Bewohner an dieser Wohnstätte festgehalten. Vermutlich hat das Gehöft am Mägdeberg in einem engen Zusammenhang mit der vorkeltischen und keltischen Siedlung im Aachgrund bei Singen gestanden, deren Gräber in den letzten Jahren in grosser Zahl aufgefunden worden sind. Auch seine Verödung liegt nur wenig vor der Zeit, zu der die 5ingener Siedlung aufgegeben worden ist. Wir wissen aus anderen Quellen, dass damals ein Teil der keltischen Bewohner Süddeutschlands nach Süden abzog und dass der Hegau hierbei vermutlich viele seiner früheren Bewohner verloren hat 8).

7) Garscha- Rest, aaO., S. 56.
8) Dazu Kimmig/ aaO., S. 33 f.

Quelle: Eberhard Dobler, Burg und Herrschaft Mägdeberg, 1959

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