Des Herrgotts Kegelspiel – Schönes Land im Hegau

Der Mägdeberg

Ein Berg der Wallfahrt wurde der Hohenstoffeln, des Abschiednehmens, ein Berg der Wallfahrt war er, der Nachbar Mägdeberg. Weit niederer, nur 660m hoch, aber in milder Anmut steht er über Mühlhausen. Wie geschaffen einst, eine Kapelle zu tragen, der heiligen Ursula geweiht und ihren elftausend Mägden. Das Kloster Reichenau besass ihn einst; doch schon 1240 ist er feste Burg. Raufhändel der Nachbarn. Das Kloster verkauft den Berg an Herren von Tettingen, diese an den Grafen Eberhard den Greiner von Württemberg.

Neuwürttemberg wird die Herrschaft genannt. Aber mit dem Nachbarn vom Krähen gerät er in Streit, Österreich tritt auf den Plan, Herzog Sigismund, und das Ende ist: der Mägdeberg fällt an Österreich. Der Reischach bekommt ihn zu Lehen. Und Wiederholt, 1634, zerstört die Burg. – Hans Gaudenz von Rost kauft 1660 die Herrschaft Mägdeberg und verlegt die Burgkapelle Sankt Ursula ins Dorf Mühlhausen. Der Mägdeberg, wie Krähen und Twiel aus Klingstein, hat noch starke Mauern und einen Turm. Graf Douglas von Langenstein, dem auch die Nellenburg gehört, ist heute Egentümer.

Der gerundete Berg zwischen Duchtlingen und Mühlhausen liegt im fruchtbarsten Gefilde. Jene Königstochter Ursula aus Britannien lagerte nach der Sage hier mit ihren elftausend Mädchen. Es war 400 Jahre nach Christus. Drei Jahre Bedenkzeit hatte sie sich erwirkt, als der Heidenkönig sie begehrte. Von Britannien zog sie nach Rom. Auf dem Rückweg vom Süden kam sie zum Mägdeberg, und der Hegau erscholl von ihren Gesängen. – In Basel bestiegen sie die Schiffe, die sie nach Hause bringen sollten. Aber zu Köln schlug ihr letztes Stündlein. Die Hunnen, die die Stadt belagerten, fingen die Jungfrauen ab. – Auf dem Ursulaacker zu Köln fand man ihre Gebeine. –

Ludwig Finckh: Des Herrgotts Kegelspiel – Schönes Land im Hegau (1956)

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