Mägdeberg als Kultstätte

In vorgeschichtliche Zeit führt auch der Name des Mägdebergs zurück. Der alte Ursprung dieses Namens steht ausser Zweifel: schon die ältesten Urkunden aus dem 13. Jahrhundert nennen den Berg „Megideberc“, “Megdeberg” oder “Magdeberc” 1). Dem Wort liegt das althochdeutsche “magad”, “magid“ = ,,Jungfrau” in seiner Pluralform zugrunde 2). Der Mägdeberg ist demnach ein “Berg der Jungfrauen”. Der Name kommt in gleicher oder verwandter Schreibweise auch bei zahlreichen anderen Bergen vor: “Mettenberge” gibt es zum Beispiel bei Immendingen 3), Sigmaringen 4) oder im Kanton Bern 5), und auch die Madenburg in der Pfalz gehört sprachlich in diese Reihe.

Sein Name verrät den Mägdeberg als Kultstätte der keltischen “Drei Beten” oder “Drei Matronen”, der drei jungfräulichen Muttergottheiten. Ainbed, Borbed und Wilbed, deren Verehrung hier wie an ungezählten anderen Orten auch von den in der Völkerwanderungszeit eingewanderten Alemannen übernommen worden ist 6). Auf Bergen, in Wäldern und bei Quellen lagen die heiligen Stätten dieser drei Gottheiten, die wohl als Erd-, Sonnen- und Mondmutter zu deuten sind. Neben den Mägdebergen erinnern noch viele Frauenberge, Sonnen- und Mondberge, Jungfernbühle und Betenbrunnen oder Namen wie Mettenbuch, Mettnau, Heiligenberg und Frauenzimmern überall im deutschen Sprachgebiet an sie 7). Im Hegau gehört der von vorchristlichen Sagen umwobene Hohentwiel 8) wohl ebenso zu ihren Kultstätten wie der Heilsberg 9). Von einstigen “Frauenwäldern” zeugen in mehreren Hegauorten noch die Sagen von den waldschenkenden Fräulein, etwa in Welschingen Ehingen, Bohlingen, Hilzingen, Stein am Rhein, Öningen und Wiechs 10). Auch die eigenartige, kirchlich nicht sanktionierte Wallfahrt zum Jungfrauengrab in Tengen 11) leitet wohl auf die “Drei Beten“ zurück 12).

1) Der früher in Mühlhausen gebräuchliche, heute nur noch wenig zu hörende Name “Neberg“ ist jünger. Er gehört wohl erst der 1479 nach hundertjähriger Ruinenzeit wiedererstandenen Burg an, dem “Neuberg” oder “Neuwürttemberg”.
2) A. Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Badent 2. A. Heidelberg 1904, Bd. 2, Sp. 119.
3) Nach Flurkarte.
4) VgJ. Ztschr. f. Gesch. d. Oberrheins (=ZGO) 35, 307 f.
5) Bei Delsberg.
6) Dazu Hans Ch. Schöllt Die drei Ewigen Jena 1936. Vgl. ferner Joh. Künzig, Die drei Jungfrauen am Oberrhein in: Oberdeutsche Zeitschr. f. Volkskunde, 1930, sowie W. Heiligendorff, Der keltische Matronenkultus und seine Fortentwicklung im deutschen Mythus, 1934.
7) Schöll, S. 64 u. a.
8) Zur Namensableitung vgl. Schöllt S. 97. Die Sagen zusammengestellt bei Funk, Frühbesiedelung des Hegaus, aaO., S. 37 f. Ein Namensvetter des Twiel ist im Hegau wohl der Willberg (Wil-Berg = Mondberg) bei Weil in dessen Nachbarschaft findet sich bezeichnenderweise auch ein “Himmelsbuck“.
9) Vgl. die volkskundlichen Angaben bei Funk aaO., S. 36.
10) ‘Welschingen: Drei Edelfräulein aus Binningen sollen der Gemeinde einst den „Ertenhag“ geschenkt haben (vgl. „Das Volk”, Freiburg, Ausgabe vom 9. 9. 1950). Im Ertenhag sind voralemannische Grabhügel. Ehingen: vgl. August Böhm, Die Hegaugemeinde Ehingen, Engen 1931, S. 15. Bohlingen, Hilzingen, Wiechs, Stein, vgl. Funk aaO., S. 48, 36, 32, 48. Öhningen: Der Untersee Jahrband 1926 des Landesvereins Badische Heimat, Karlsruhe 1926, S. 60.
11) Vgl. Funk, S. 32 j Ludwig Heizman, Der Amtsbezirk Engen, Engen 1934, S. 69 f.
12) Vgl. die ähnlichen Beispiele bei Schöll S. 82.

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