Mägdeberg als Kultstätte

Ein solcher einst den Drei Beten heiliger Quell ist der Eselsbrunnen an der Ostflanke des Mägdebergs. Er ist heute fast vergessen, da er abseits des jetzt allein benutzten Zugangsweges zum Mägdeberg, der im Mitteldorf ansetzenden „Stein“  liegt. Das war nicht immer so, denn am Eselsbrunnen vorbei führte ein alter Pfad von dem Dorf in der Wieden zum Berggipfel, der nicht nur der kürzeste Zugangsweg, sondern vermutlich auch einmal Prozessionsweg zum Mägdeberg war 25). Er begann etwa bei dem vorchristlichen Alemannenfriedhof nördlich der Kapelle, lief nördlich an der „Bubenhalde“ vorbei zum Eselsbrunnen und erreichte zwischen  dem vorgelagerten „Schwindel“ 26) und dem Burgfelsen hindurch den heute noch benutzten Pfad der von Süden her auf die Bergkuppe hinaufsteigt. Das Wasser des Eselsbrunnens galt bis in die jüngste Zeit hinein als heilkräftig. Aus seiner Brunnenstube wurden auch,  wie man den Kindern auf dem Mägdeberger Hof noch um 1890 zu erzählen pflegte, die neugeborenen Kinder geholt 27). Von einer besonderen Kraft dieses Brunnens berichtet schon eine 1755/56 niedergeschriebene barocke Legende 28): Nach ihr hatte es um 1670 der damalige Schlossherr auf dem Mägdeberg unter strengster Strafe verboten, das Wasser der Quelle zum Waschen schmutziger Genstände zu benutzen, weil es der Fürbitte der heiligen Ursula auf wunderbare Weise zu verdanken sei“. Der „St. Ursula-Brunnen“ war damals ummauert und mit einem Ziegeldach abgedeckt 29). Trotz des Verbots habe, so erzählt die Legende, ein calvinistischer Perückenmacher aus der Schweiz, der auf dem Schloss gerade in Arbeit stand, sein Handwerkszeug in der Quelle gewaschen. Auf diesen Frevel hin sei das Wasser versiegt, und es habe erst wieder zu fliessen begonnen, nachdem sich der Übeltäter im Gefängnis bekehrt hatte. In Verbindung mit dem Namen der heiligen Ursula deren Wallfahrtskapelle der Berg damals trug, hatte sich, wie die Legende erkennen lässt, die überkommene Ehrfurcht vor der Quelle bis in das 17./18. Jahrhundert hinein erhalten und in ein den Menschen des Barock verständliches Gewand gekleidet.

25) Im Esch hinter der Kapelle gegen den Mägdeberg hinauf in dem Berain von 1461 wiederholt ein „Heiliger Weg“ erwähnt (z.B. fol. 13 r, 15 v, 17 r). Seine genau Lage lässt sich anhand der Berainstellen nicht bestimmen; man wird ihn aber in der Nähe des alemannischen Begräbnisplatzes lokalisieren müssen. Vielleicht war der „Heilige Weg“ der Anfang des Prozessionsweges zum Mägdeberg.
26) Schwindel: von „schwenden“ = „roden“; also: „gerodeter Hügel“.
27) Im Dorf Mühlhausen knüpfte sich die entsprechende Erzählung an die Brunnenstube in der „Delle“. Die Erzählung vom kinderbringenden Storch war um 1890 in Mühlhausen dagegen noch nicht gängig.
28) Calendarium Perpetuum von 1703, 2. Teil/ im Pfarrarchiv Mühlhausen. Der Eintrag ist von der Hand des 1755/56 amtierenden Pfarrers Johann Jakob Reichard. .
29) Eine Reparaturrechnung für das Schloß von 1650 erwähnt die Verwendung
von Dachplatten für den „St. Ursula Pronnen“ – GLA, Abt. 229, 63 184.

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