Mägdeberg als Kultstätte

Wie viele der alten „heiligen“ Berge hat auch der Mägdeberg seine Sage von unterirdischen Gängen: Unter der Burg soll- der Einstieg eines zum Hohenkrähen hinüberführenden Gange, liegen. Nach einer anderen Erzählung umschliesst der Mägdeberg in seinem Innern eine weite Höhle mit einem •unterirdischen See. Unter der Burg soll auch ein riesiges Fass mit auffallend tiefrotem Wein vergraben sein. Diese Sagen könnten an eine vergessene Bedeutung des Mägdebergs als eines der vielen Totenberge erinnern, in denen nach dem Glauben der vorchristlichen Zeit die Verstorbenen der Dorfgemeinschaft  „in einer hohen Halle“ ihrer Wiederverkörperung harrten 30). In der Sage von dem vergrabenen Weinfass steckt wohl auch noch die Erinnerung an den früher auf dem Mägdeberg betriebenen Weinbau. Die schon in der Sage vom unterirdischen Gang anklingende Verbindung zum Hohenkrähen erscheint in einer anderen Sage wieder, nach der zwischen Mägdeberg un Hohenkrähen die eine Hälfte eines goldenen Kegelspiels vergraben liege; die zweite Hälfte sei in Wien 31). Auch die Kegelspielsage ist von manchen der einstigen Dreifrauenkultstätten bekannt, im Hegau etwa vom Hohentwiel 32) ferner von Wangen 33), Dettingen 34) und vom „Heidenschlösschen“ bei Orsingen 35). In dem von der Sage beschriebenen Gebiet zwischen  Mägdeberg und Hohenkrähen gibt es 1461 die Flurbezeichnung „Meggelishart“, Meygelishardt“ 36) „]ungfrauenwald“ mit einer merkwürdigen „Steinmauer“ 37) , die beide mit dem alten Kult der Drei Beten zusammenhängen können 38). Zu erwähnen ist auch die Lagebezeichnung „beim Kreuz“ für den Platz unmittelbar südlich des Duchtlinger Weges auf dem Kamm des Bergrückens;  ein hölzernes Kreuz – vermutlich der Nachfolger eines alten Wetterkreuzes – hat hier noch um 1880 gestanden.

30) Vgl. dazu Schöll, S. 100
31) Frdl. Mitteilung von Herrn Buchegger, Mühlhausen. Nach einer anderen Mühlhauser
Erzählung soll auch unter der Burg Hohenkrähen ein goldenes Kegelriess liegen, „mit dem Poppele gespielt hat“.
32) Vgl. Funk, Frühbesiedelung des Hegaus, aaO., S. 38.
33) Bei dem Hof Langenmoos, bei einer Quelle am Fusse einer vorgeschichtlichen Ringwallanlage ; vg!. Der Untersee, S. 60.
34) Funk aaO., S. 46.
35) Vgl. Hegau, Heft 1/1957, S. 73.
36) GLA – Berain 10 855, z. B. fol. 25 r, 30 r, 31 r, 34 v. Das Flurstück lag an der Gemarkungsgrenze gegen Duchtlingen hinter dem Schüsselbühl. Das angrenzende Gewann auf Duchtlinger Seite heisst heute „Eglishardt“  – eine verschliffene Namensform aus „Meggelishart‘?
37) Berain 10 855, z. B. fol. 30 r, 31 r.
38) Der kultische Brauch, „Steine zu opfern“ und zu Hügeln zusammenzutragen, ist vielerorts bezeugt; vgl. die Nachweise bei Schöll, S. 99 f. Man wird dabei an die eigenartige Sitte des Steintragens auf dem Hohentwiel erinnert (vgl. etwa von Martens, S. 57), die schon vor dem Dreissigjährigen Krieg bestand und möglicherweise doch nicht nur mit einem festungsbaulichen Erfordernis zu erklären ist.

Print Friendly, PDF & Email

Seiten 1 2 3 4 5 6