Mägdeberg als Kultstätte

Die uralte Frauenwallfahrt, Klostersage und Quellenverehrung sind neben dem Namen des Berges selbst die augenfälligsten Merkmale, in denen die kultische Bedeutung des Mägdebergs in christlicher Zeit fortlebte. Es ist aufschlussreich und zeigt das „Typische“ in der kultisch-volkskundlichen Rolle des Mägdebergs, dass diese Einzelzüge in ähnlicher Gruppierung bei mehreren bis in die Gegenwart vielbesuchten Wallfahrtsorten der Umgebung wiederkehren: Auf dem Heiligenberg über dem Salemer Tal finden sich uralte Wallfahrt (Kapelle 1353 erwähnt, Marienglocke von 1482),  Klostersage, prähistorischer Ringwall und voralemannische Gräber beisammen 39).

In dem 1275 erstmals genannten linzgauischen Wallfahrtsort Bettenbrunn erinnert an einen einstigen Quellenkult der Drei Beten ausser dem Ortsnamen  selbst die auffallende Erscheinung, dass das Wallfahrtsbild Unserer Lieben Frau bis in die Neuzeit nicht in der Wallfahrtskirche, sondern auf einem davor fliessenden Brunnen gestanden hat 40).

In Baitettbausen (früher „Bettenhusen“) bei Meersburg trifft der auf die Drei Beten zu deutende Name ebenfalls mit einem schon 1275 nachweisbaren, auf einem Berg über dem Dorf gelegenen Wallfahrtsheiligtum Unserer Lieben Frau zusammen 41).

Allerheiligen auf dem Gehrenberg über Markdorf hat neben einer alten Marienwallfahrt auch die Erzählung von einem einstigen Frauenkloster 42).

Auf dem Liebfrauenberg bei Bodman, wo sich 1318 die überaus volkstümliche Marienwallfahrt und eine baulich selbständige Kapelle schon wenige Jahre nach dem Untergang der alten Burg (1307) feststellen lassen, war nach Schönhuth noch um 1830 in einem Sandsteinfelsen unter der Kapelle die Zeichnung eines „die Hörner aufwärts kehrenden Mondes“ zu sehen 43). In nächster Nähe liegt die vorgeschichtliche „Bodenburg“ mit Brandgräbern der Urnenfelderzeit 44)[ die ihren Namen wohl nicht nur von den Drei Beten erhalten, sondern ihn auch an den Ort Bodman 45) und damit an den Bodensee weitergegeben hat.

39) Vgl. Franz X. Krauss, Die Kunstdenkmäler Badens, Bd. 1 – Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz, Freiburg i. Br. 1887, S. 428. – Im Volksmund wird der Name heute noch vielfach als „der heilige Berg“ ausgesprochen.
40) Vg1. Benvenut Stengele, Linzgovia Sacra, Uberlingen 1887, S. 98 H.
41) Stengele, S. 169; Krieger 1,1 15.
42) Stengele, S. 188.
43) Otmar Schönhuth, Die Ritterburgen des Höhgaus, Konstanz 1833 ff., Teil 4,S. 58.
4.4) Vgl. Funk, Frühbesiedelung des Hegaus. aaO., S.43 f.; Kunstdenkmäler Badens 1,464.
4.6) Auch die Schreibweise „Boedemin“ kommt vor; vgl. Krieger 1,235 (zum Jahr 1270).

Quelle: Eberhard Dobler, Burg und Herrschaft Mägdeberg, 1959

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