Das alemannische Mühlhausen

Die Gestalt der Mühlhauser Gemarkung östlich des Hepbachs ist geradezu ein Kuriosum. Die Gemarkung schiebt sich hier in einem verhältnismässig schmalen, unregelmässigen Streifen längst des Alten Weges zum Rumisbohl vor, der politisch in seiner ganzen Ausdehnung zu Mühlhausen gehört. Dabei verläuft die Gemarkungsgrenze rund 4,5 km vom einstigen Mühlhauser Herrenhof, aber nur etwa 300 m vom Ortsetter Volkertshausens entfernt. Die historische Erklärung für diese auffallende Benachteiligung von Volkertshausen, das etwa gleich alt wie das Dorf in der Mühlhauser Wieden sein dürfte, liegt wohl darin, dass der Rumisbohl längs des Alten Weges schon vor der Gründung von Volkertshausen durch Ehingen in Beschlag genommen war und von Ehingen bei der Ausgründung der Wieden an Mühlhausen abgetreten worden ist. Möglich wäre allerdings auch, dass der Rumisbohl ursprünglich zu dem Hof auf der Leberen gehört hat. Entlang des Alten Weges zwischen Hepbach und Rumisbohl befindet sich durchweg spät urbar gemachtes Land, das auch im Spätmittelalter noch nicht in die drei Esche einbezogen und grösstenteils mit Wald und Sumpf bedeckt war. Die näher am Dorf gelegenen Stücke sind bis in die Neuzeit hinein Allmende geblieben, so die erst im 19. Jahrhundert ausgestockte, vorher mit lichtem Eichenwald bestandene „Uttweid“ (Auchtweide), die als Nachtweide diente, oder der Mühlhauser Teil des „Aubohls“.

Im Ganzen, einschliesslich des Mägdebergs, hat die Gemarkung Mühlhausen heute einen Umfang von 997 Hektar. Das entspricht ungefähr der mittleren Gemarkungsgröße der alemannischen Altsiedlungen in der näheren Umgebung. Zum Beispiel hat Ehingen 999 ha, Welschingen 981 ha, Weiterdingen 957 ha 23). Dagegen weisen die Nachbardörfer aus der zweiten Siedlungsperiode, so etwa Neuhausen, Volkertshausen, Hausen an der Aach und Schlatt, durchweg geringere Gemarkungsgrössen auf.

Noch der Berain von 1461, die beste Quelle zur wirtschaftlichen Lage Mühlhausens im Mittelalter, lässt erkennen, dass die rechtliche Stellung des Herrenhofes innerhalb des Dorfes ursprünglich sehr stark war. Wie schon erwähnt, ist der jeweilige Inhaber des Herrenhofes Träger von Zwing und Bann, also des Rechtes, im ganzen Dorf zu gebieten und zu verbieten. Eigene Rechte der Bauerngemeinde auf der Gemarkung sind nur in beschränktem Umfange festzustellen. Es ist ausser dem Allmendeigentum im wesentlichen nur das Recht am „Espan“ , dem Versammlungsplatz der Gemeinde, und an einem „Tanzplatz“ bei der Kirche 24).

23) Lediglich das ebenfalls aus der ersten Siedlungsperiode stammende Duchtlingen besitzt nicht mehr als 619 ha.
24) Espan: vgl. Berain 10855, fol. 20 r, 28 v. – „Uff lebra der tantzplatz unter den linden“ (vielleicht das heutige „Lindengärtle“ östlich vor der Kirche): ebd., fol. 17 v. – Beide Grundstücke werden in der außerordentlich sorgfältigen Aufzählung des Berains von 1461 nicht als Herrschaftseigentum erwähnt, gehörten also der Gemeinde.

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