Das alemannische Mühlhausen

Das weitaus grösste Waldstück im Mühlhauser Bann, der Rumisbohl, lag seit jeher in der Hand der Herrschaft. Es wird 1595 auf 205 Jauchert Umfang geschätzt und war damals mit Eichen bestanden 25) . Zum Rumisbohl gehörten ursprünglich auch die sogenannten „Reiteren“ 26), von denen 1461 bereits 60 Jauchert ausgestockt und gegen eine Abgabe von zwei Viertel Kernen je Jauchert und Nutzungsjahr an Mühlhauser Bauern verliehen waren 27). Weitere Rodungen in den Reiteren sind später durch den Holzbedarf der herrschaftlichen Ziegelhütte ausgelöst worden, die bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle des heutigen „Waldhofs“ gestanden hat und sich urkundlich seit etwa 1660 nachweisen lässt 28). Neben dem Rumisbohl waren sämtliche Holzmarken im Bereich des Mägdebergs Eigentum der Herrschaft 29).

Wir müssen nun auch versuchen, ein genaueres Bild des Hofes auf der Leberen zu zeichnen. Zu der Zeit, in der die ausführlicheren wirtschaftlichen Beschreibungen von Mühlhausen einsetzen – im 15. Jahrhundert –, war er schon nicht mehr als geschlossene Wirtschaftseinheit vorhanden. Wir sind daher bei der Ermittlung seines früheren Bestandes und Umfanges auf Rückschlüsse anhand der Besitzlage im 15. Jahrhundert angewiesen. Auch auf diesem Wege lässt sich indessen ein recht zuverlässiges Bild des ursprünglichen Zustandes gewinnen. Es sind im wesentlichen drei grössere Güterkomplexe des 15. Jahrhunderts, in denen sich unschwer der einstige Grundbesitz des Hofes auf der Leberen wiedererkennen lässt: das damalige Mühlhauser Eigengut der Herren von Friedingen zu Krähen, der Mühlhauser Güterbesitz des Klosters Feldbach und das Ausstattungsgut der Pfarrkirche. Auch die beiden zuletzt genannten Gütermassen scheinen – insoweit sei dem Gang unserer Untersuchung vorgegriffen – einmal Eigengut der Herren von Friedingen gewesen zu sein, bevor dieses Geschlecht die Einheit des alten Hofes auflöste, um mit einem Teil des Besitzes die von ihm wohl um 1200 gegründete Pfarrei wirtschaftlich auszustatten.


25) von Reischachisches Archiv Schlatt, Akten Mägdeberg, Fasz. 2, Anschlags-verzeichnis vom 22. 8. 1595.
26) Von „reuten“, „roden“. – 1461 „die rütene“: Berain 10855, fol. 37 r, 38 v.
27) Ebd.
28) Enzenberg-Archiv Singen (= EAS), A I 7/1 Findnr. 1
29) Berain 10 855, fol. 1 r.

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