Das alemannische Mühlhausen

Der Hof auf der Leberen muss in manchem ein verkleinertes Spiegelbild des Herrenhofes in der Wieden gewesen sein. Wie zum Herrenhof gehörten auch zu ihm abhängige Bauerngüter und eigenes Hofland. Von allen diesen Grundstücken gingen keine Gülten oder Zinsen an den Hof in der Wieden. Zum Teil sind die Bauerngehöfte noch bis in die Neuzeit hinein Lehen von Hohenkrähen geblieben 30). Ebenso hatte der Inhaber der Leberen seine besonderen Leibeigenen, die zumeist auf den zum Hof gehörenden Gütern sassen. Im 15. Jahrhundert etwa dürften die friedingischen Leibeigenen ein Drittel der Mühlhauser Bevölkerung ausgemacht haben 31).

Der grössere Teil des friedingischen Hoflandes – also derjenigen Grundstücke, die nicht einzelnen Bauerngütern zugeschlagen, sondern noch in Eigenbewirtschaftung der Herren von Friedingen waren – ist im Gebiet südlich der Kirche gegen den Hohenkrähen zu feststellbar, also im ältesten Esch des Dorfes. Hier gibt es 1461 mehrere Acker und Egerten 32) Wilhelms von Friedingen, und auch ein friedingischer „Brühl“ erscheint am Hepbach in der Nähe der Gemarkungsgrenze gegen Schlatt 33). Weiter besitzen die Friedinger 1461 am Hepbach eine eigene Mühle, die erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgegangene „Krähenmühle“ etwas oberhalb der Johannisbrücke am Alten Weg 34).

Einstiges friedingisches Allod ist ferner das 1461 erwähnte Mühlhauser Gut des thurgauischen Frauenklosters Feldbach 35), von dem noch heute die „Frauenwiesen“ und „Frauenäcker“ unterhalb der Jöhannisbrücke den Namen tragen. Diese Grundstücke sind jedenfalls als Mitgift der Elisabeth (Bethe) von Friedingen an das Kloster gekommen, die 1344 und 1349 als Nonne in Feldbach nachzuweisen ist 36).

Ein dritter sichtlich aus friedingischem Eigengut herausgeschnittener Güterkomplex ist das Ausstattungsgut der Pfarrkirdle, vor allem die am Hepbach gelegene „Kirchbreite“ und die „Pfaffwiesen“. Zusammen mit dem noch 1461 friedingischen Besitz und dem damaligen Grundbesitz des Klosters Feldbach ergeben diese Flurstücke eine geschlossene Fläche von erheblichem Umfang, die bei der Krähenmühle unmittelbar an den Brühl der Wieden anstösst.


30) Vgl. etwa Urk. Nr. 15 (v. 1608) des EAS.
31) Die Friedinger stellen 1489 vier der zwölf Richter zum Dorfgericht, die Herrschaft Mägdeberg acht – EAS, Urk. Nr. 4 (Notariatsabschrift v. 1556, Okt. 24) i die Urkunde ist seit einigen Jahren verschollen.
32) Egart: für mehrere Jahre unbebauter Acker.
33) Berain 10855, fol. 35 r, 36 v.
34) Ebd., fol. 1 r. – Auf einer Skizze von 1770 ist die Krähenmühle am Westrand des Hepbachs eingezeichnet – EAS; S I 4/3 = Findnr. 937.
35) Berain 10855, fol. 7 r, 11 v. ‚
36) Vgl. J. Kindler v. Knobloch und O. Frh. v. Stotzingen, Oberbadisches Geschlechterbuch, 3 Bde., Heidelberg 1898/1919, Bd. 1, S. 397. – Auch eine friedingische Jahrzeitstiftung in Feldbach von 1346 ist bekannt i vgl. Die Regesten der Archive in der schweizerischen Eidgenossenschaft, Bd. 2, Chur 1854, Abtlg. Feldbach, Reg. 76.

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