Das alemannische Mühlhausen

Die genaue Lage des ehemaligen friedingischen Hofes lässt sich anhand der Überlieferung nicht feststellen. Sicher hat er aber auf der Anhöhe bei der Kirche, die wohl ursprünglich als Kapelle zu ihm gehörte, gestanden. Vielleicht geht der Name „auf der Schanz“ für das Flurstück unmittelbar westlich des Friedhofs auf diese frühmittelalterIiche, nach dem Brauch ihrer Zeit wohl mit Palisaden befestigte Hofstatt zurück. Die Vermutung liegt nahe, dass der einstige friedingische Adelshof mit der Ausstattung der Elisabeth von Friedingen um 1340 an das Kloster Feldbach gelangt und so mit dem 1461 genannten „Gut der Frauen zu Feldbadl“ identisch ist. Von Feldbach, das nach 1461 in Mühlhausen nicht mehr als Grundbesitzer in Erscheinung tritt, dürfte der Hof oder die Stelle, auf der er einmal lag, an das ebenfalls thurgauische Kloster Münsterlingen gekommen sein. Münsterlingen, das 1461 in Mühlhausen noch nicht erwähnt worden war, verkauft hier 1499 an das Domkapitel zu Konstanz eine Hofstatt als Platz für die künftige Zehntscheuer 37). Diese Zehntscheuer des Domkapitels soll nach Mühlhauser Erzählung an der Stelle des heutigen Pfarrhauses neben der Kirche gestanden haben.

Weil Zwing und Bann über die gesamte Mühlhauser Gemarkung am Herrenhof in der Wieden hafteten, war die rechtliche Stellung des Hofes auf der Leberen eine weit schwächere. Zum Kern einer selbständigen Herrschaft konnte der Hof auf der Leberen nicht werden. Vielmehr wurde er mit der Ausbildung der Herrschaft Mägdeberg, vom Ausgangspunkt her folgerichtig, mit der gesamten Leberen ein Teil dieses Herrschaftsverbandes. Soweit sich der Mühlhauser Zwing und Bann erstreckt, reicht später das Gebiet der Herrschaft Mägdeberg. Dessen ungeachtet besteht ein enger geschichtlicher Zusammenhang zwischen dem Hof auf der Leberen und Burg und Herrschaft Hohenkrähen: Als die Herren von Friedingen gegen Ende des 12. Jahrhunderts ihre neue Burg Hohenkrähen errichten, geschieht dies auf einem Gebiet, welches bis dahin zu dem Hof auf der Leberen gehört hatte und erst anlässlich der Burggründung von Mühlhausen abgemarkt worden war. Darauf wird unten näher einzugehen sein. Auch die Gründungsgeschichte der Pfarrei und das spätere hohenkrähische Erbbegräbnis in Mühlhausen lassen deutlich die enge Verbindung zwischen dem friedingischen Adelshof auf der Leberenund Hohenkrähen erkennen.


37) Vgl. Manfred Krebs, Die Protokolle des Konstanzer Domkapitels 1499-1502, in: ZGO 101,74 H., Reg. 1180.

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