Das alemannische Mühlhausen

Stellt man hiermit die schon erwähnte Mühlhauser Überlieferung zusammen, der zufolge das Dorf einmal im Gebiet gegen den Hohenkrähen zu gelegen haben soll, und berücksichtigt man ferner, dass sich auch das am frühesten urbar gemachte Ackerland in diesem Gebiet befindet, so muss es als durchaus wahrscheinlich gelten, dass schon in der alemannischen Frühzeit des 5. oder 6. Jahrhunderts im Gebiet der Leberen eine Ansiedlung mit eigener Gemarkung bestanden hat. Diese Siedlung kann freilich nur einen geringen Umfang besessen haben. Noch nach den  Einzelangaben des Berains von 1461, insbesondere der aus ihm ersichtlichen Gebäudeverteilung, kann die Siedlung auf der Leberen damals kaum halb so gross wie das Dorf in der Wieden gewesen sein und schwerlich mehr als 50 – 60 Menschen umfasst haben. Man wird deshalb auch, für die Frühzeit auf der Leberen nicht mehr als einen alemannischen Hof mit mit seinen zugehörigen Hintersassen suchen dürfen. Allem Anschein nach handelt es sich um den noch zu besprechenden späteren friedingischen Adelshof, von dem aus am Ende des 12. Jahrhunderts die Burg Hohenkrähen und die Pfarrei Mühlhausen gegründet worden sind.

Bereits bei seinem ersten urkundlichen Erscheinen im Jahre 787 trägt das Dorf den Namen „Mulinusa“, aus dem im Laufe der Zeit das neuhochdeutsche „Mühlhausen“  geworden ist 3). Diese Bezeichnung ist zweifellos von der Wassermühle am Hepbach, mithin von dem Dorfteil in der Wieden, abgeleitet und kann daher nicht älter sein als dieser jüngere Siedlungsteil und die zu ihm gehörende Mühle. Gleich wie bei zahlreichen anderen oberdeutschen „Mühlen“-Orten dürfte damit auch hier der Mühlen-Name nicht der älteste des Dorfes sein 4). Vielmehr muss die Ansiedlung auf der Leberen ursprünglich einen eigenen, urkundlich nicht mehr nachweisbaren Namen getragen haben, der erst nach der Gründung der Mühle und der Siedlung am Hepbach durch die neue Bezeichnung „Mühl-Hausen“ verdrängt worden ist. Wie sich aus der Namensendung auf ,,-hausen“ schliessen lässt, dürften die Gehöfte in der Wieden in der zweiten alemannischen Siedlungsperiode, im 6. oder in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts nach Christus, gegründet worden sein. Ein Teil des zugehörigen Friedhofs mit Gräbern etwa aus dem 7. Jahrhundert wurde 1932 eben dem alten „Heerweg“ rund 150 m nordwestlich der Josefskapelle gefunden 5).

2) Zur Datierung vgl. den Überblick bei Funk, Frühbesiedlung des Hegaus, aaO. S. 29. 3) Hermann Wartmannl, Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, Bd. 1, Zürich 1863, Urkunde Nr. 111.
4) Zur Problematik der von Mühlen abgeleiteten Ortsnamen vgl. Karl Weller, Geschichte des schwäbischen Stammes, München 1944, S. 131/ 335.
5) Bei der Verbreiterung der Strasse nach Welschingen wurden drei Steinplattengräber mit Beigaben, darunter ein Mannesgrab mit Reiterschwert (Spatha), angeschnitten; Badische Fundberichte, Bd. 2, Freiburg 1932, S. 258, 390. Die weitere Notiz in den Bad. Fundberichten, aaO., S. 391, dass auch, ,,am Ortsausgang gegen Schlatt“ ein Steinkistengrab gefunden worden sei, beruht auf einem Irrtum; frdl. Mitteilung von Herrn Albert Funk, Singen.

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