Das alemannische Mühlhausen

Die Wieden ist somit jünger als die benachbarten alemannischen -ingen-Orte Ehingen, Weiterdingen, Duchtlingen, Singen und Friedingen, die schon der frühen Besiedelungszeit in der letzten Hälfte des 5. und am Anfang des 6. Jahrhunderts angehören 6) . Aus der zweiten alemannischen Siedlungsperiode . stammen dagegen ausser der Wieden die Nachbarorte Hausen an der Aach, Volkertshausen, Neuhausen und vielleicht auch Hausen am Ballenberg 7). Das enge Nebeneinander mehrerer -hausen-Orte im mittleren Hegau lässt vermuten, dass das junge Dorf in der Wieden seinen auf die Mühle am Hepbach hinweisenden Namenszusatz schon bald nach der Gründung erhalten hat und so von Beginn an von dem etwa gleichalten Hausen an der Aach unterschieden worden ist.

Die Wieden mit den zu ihr gehörenden Rechten ist der Kern, aus dem im Hochmittelalter die Herrschaft Mägdeberg herausgewachs 11 ist. Sie enthält schon seit ihrer Entstehung die entscheidende Grundlage der späteren Dorfherrschaft: den Herrenhof. Dieser ursprüngliche dörfliche Adelshof des 6. oder 7. Jahrhunderts, der im Hochmittelalter als „Kellhof“ des Klosters Reichenau urkundlich fassbar wird, stand etwas oberhalb des Hepbachs und der Mühle an günstiger Siedlungsstelle 8). Um ihn herum und in rechtlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihm 9) ist die alemannische Siedlung entstanden, die sich dann im Laufe der Jahrhunderte zu ihrem heutigen Umfang ausgedehnt hat und hierbei auch räumlich mit den Gehöften auf der Leberen verschmolzen ist. Zubehör zum Herrenhof und Eigentum seines jeweiligen Inhabers war insbesondere die Mühle, von der das Dorf den Namen übernommen hat. Sie ist bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Herrschaftsmühle geblieben.

6) Vgl. Funk, Frühbesiedelung des Hegaus, aaO.
7) Der heutige Hauserhof auf Gemarkung Anselfingen.
8) Die Lagebezeichnung „im Kellhof“ ist noch heute bekannt. Bis vor einigen Jahrzehnten gab es auch den Namen „Ennethofer Gasse“ („ennet‘ = „jenseits“) für die am Hof vorbeiführende Strasse; schon der Berain von 1461 erwähnt ihn mehrfach.
9) Über Bedeutung und organisatorische Struktur der Herrenhöfe vgl. insbesondere die Arbeiten von Viktor Ernst: Die Entstehung des niederen Adels, Stuttgart 1916; Mittelfreie, Berlin 1920; Die Entstehung des deutschen Grundeigentums, Stuttgart 1926. Die Klöster pflegten die in ihren Besitz gelangten Herrenhöfe als „Kellhöfe“, den Kellhofverwalter als „Keller“ zu bezeichnen. Auch in Mühlhausen ist deshalb die Bezeichnung „Kellhof“ zweifellos nicht der alte Name des Herrenhofes gewesen, sondern in späterer Zeit entstanden, als der Hof bereits dem Kloster St. Gallen oder der Reichenau gehörte.

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