Das alemannische Mühlhausen

Dem jeweiligen Inhaber des Herrenhofes stand – und hierin lag das wichtigste Merkmal des Herrenhofs – das Recht von Zwing und Bann auf der ganzen Mühlhauser Gemarkung zu, das Recht, im Dorf zu gebieten und und zu verbieten 90 ). Wer den Herrenhof besass, war wirklich der „Herr im Dorf“.

Angesichts der entscheidenden Rolle, die der Herrenhof als Kernzelle der späteren Herrschaft Mägdeberg gespielt hat, lohnt es sich, seinen Besitzstand und seine Stellung im Dorf genauer zu erfassen. Die Quellenlage ist dank dem Berain von 1461, der in vielem Zustände wiedergibt, die zur Zeit seiner Abfassung bereits seit Jahrhunderten bestanden haben müssen, für einen solchen Versuch besonders günstig 10).

Wie regelmässig in den alten deutschen Dörfern, gehörten auch in Mühlhausen zum Herrenhof die besten Flurstücke. Sie sind aus dem Berain von 1461 noch in ihrem wesentlichen Bestand zu erkennen:

An Wiesenland besass der Herrenhof vor allem den “ Brühl“ , ein geschlossenes Flurstück von 12 Mannsmahd Grösse, das sich westlich des Hepbachs von der „Ehinger Gasse“ und der Herrschaftsmühle bis zur Brunngasse und zur Krähenmühle hinabzog 11).

An Ackerland ist im Esch gegen Krähen 1461 ein 6 Jauchert grosses früheres Ackerstück, genannt „die Breite“, in Eigenbewirtschaftung der Herrschaft. Es war erst wenige Jahre zuvor in einen Weingarten umgewandelt und dabei aus dem Flurzwang herausgenommen worden. Dieses Grundstück schliesst unmittelbar an den Ortsetter auf der Leberen an. An die „Breite“ stößt 1461 ein weiteres 6 Jauchert großes Ackerstück der Herrschaft, so dass sich hier eine Gesamtfläche von 12 Jauchert herrschaftlichen Ackerlandes ergibt. Im gleichen Esch hat die Herrschaft 1461 in verstreuter Lage noch acht weitere, nicht ausgeliehene Äcker – zwei Stücke zu 4, zwei zu 3 und eines zu 1 Jauchert sowie drei nicht nach dem Ausmass angegebene Äcker –, die grösstenteils in erheblicher Entfernung vom Ortsetter liegen und offensichtlich erst durch spätere Rodung gewonnen worden sind 12).

9) Zum Inhalt von Zwing und Bann vgl. K. S. Bader, Entstehung und Bedeutung der oberdeutschen Dorfgemeinde, in: Zeitschr. f. württ. Landesgeschichte, Jg. 1937, S. 265 ff (284).
10) Berain 10 855 (Mühlhausen) des GLA.
11) AaO., fol. 1 r.
12) Ebd., fol. 2 r.

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