Das alemannische Mühlhausen

Das Ackerland der Herrschaft in den beiden anderen der drei mittelalterlichen Esche wird 1461 durchweg als „Wittraiten“ gekennzeichnet, ist also Rodungsland: Im Esch „gegen den Mägdeberg und unter der Kirche“ erscheint wieder eine 10 Jauchert große „Breite“, ferner gehören zum Herrengut in diesem Gebiet vier verstreute Acker mit 8, 5, 4•und 4 Jauchert. Im dritten Esch, jenem „hinter der Kapelle“ , gibt es fünf herrschaftliche Acker, von denen der grösste, die 12 Jauchert umfassende „Breite zu Mittelfeld“ , verhältnismässig nahe am Herrenhof und an der Welschinger Strasse, die übrigen vier mit 4, 4, 2 und 2 Jauchert weiter oben am Berg liegen 13).

Da das Herrenland in den beiden zuletzt genannten Eschen ausdrücklich als Rodungsland bezeichnet ist, muss der Esch gegen Krähen – also das Gebiet nächst der Leberen – am frühesten als Ackerland bebaut worden sein. Erst später sind die näher am Herrenhof liegenden beiden Esche nordwestlich der Leberen hinzugekommen. Das bedeutet zugleich, dass das Ackerland um die Leberen und insbesondere in der Senke hinüber zum Hohenkrähen schon in Benutzung gestanden haben muss, ehe die Unterteilung des bebauten Bodens in die im Mittelalter vorhandenen drei Esche eingeführt wurde. Man kann sich danach den Hergang der Rodung zeitlich wie folgt vorstellen: Zunächst haben bäuerliche Siedler auf der Leberen, vermutlich schon in voralemannischer Zeit, das ihren Gehöften nächstgelegene Gebiet längs der Strasse in der Senke zum Hohenkrähen hinüber urbar gemacht. Erst nach der Gründung des Herrenhofes in der Wieden und von ihm ausgehend, also im 6. oder 7. Jahrhundert, setzte eine neue Rodungstätigkeit ein, die dem Gesamtdorf im Laufe der Zeit das weitere Ackerstück erschloss. Schon bei seiner Gründung scheint dem Herrenhof in der Wieden das 12 Jauchert grosse Ackerstück im Altland der Leberen zugeschlagen worden zu sein.

13) Ebd., fol. 3 r. – Das gleichzeitige Nebeneinander von drei , Breiten“ entspricht der mittelalterlichen Fluraufteilung in drei Esche, von denen abwechselnd je einer mit Sommer-, der andere mit Winterfrucht angepflanzt wurde, während der dritte als Brachland ausruhte. Das Wort „Breite“ hat 1461 nur noch die Bedeutung „herrschaftliches Ackerland“ schlechthin, es ist nicht mehr die Bezeichnung für einen einzigen Acker. Die Aufteilung der Flur in drei Esche dürfte auch in Mühlhausen nicht über das 8. Jahrhundert zurückgehen. Ursprünglich wird daher, wie in allen alten oberdeutschen Dörfern zum Herrenhof nur eine einzige „Breite“ gehört haben. Es war allem Anschein nach jene im späteren „Esch gegen Krähen“.

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