Das alemannische Mühlhausen

Die Frage, woher die Bevölkerung der Neusiedlung in der Wieden in der Hauptsache gekommen ist, ist damit noch nicht beantwortet. Die vermutlich richtige Lösung zeigt sich am klarsten bei einem Blick auf die Karte. Zu den Merkwürdigkeiten, von denen der Verlauf der Mühlhauser Gemarkungsgrenze auch sonst manche bietet, gehört vor allem die auffallend enge Anlehnung des Dorfteils in der Wieden an die Gemarkung des älteren Nachbardorfes Ehingen. Der Herrenhof Mühlhausens, der spätere „Kellhof“, liegt nur etwa 400 Meter von der Gemarkungsgrenze vor der Ehinger „Riedmühle“ entfernt, und von der Herrschaftsmühle bis zum nächsten Punkt Ehinger Gebietes sind es nicht einmal 250 Meter. Es ist damit sehr wahrscheinlich, dass die Neusiedlung in der Wieden von Ehingen aus gegründet worden ist. Allerdings ist kaum anzunehmen, dass das Gebiet, auf dem der neue Herrenhof mit den zugehörigen Gehöften und der Mühle erbaut wurde, vorher zur Ehinger Gemarkung gehört hat. Dagegen spricht insbesondere der Umstand, dass der Hof auf der Leberen, die heute fast in der Mitte der Mühlhauser Gemarkung liegt, dann ursprünglich fast ebenso am Rande der Gemarkung gelegen haben müßte wie heute die Wieden. Die Abgerundetheit der Mühlhauser Gemarkung im Bereich der alten Strasse von Singen nach Engen deutet eher darauf hin, dass hier die Grenzen seit der ersten Aufteilung des Landes in der Frühzeit der alemannischen Besiedlung kaum verändert worden sind.

Die Ausgründung von Ehingen her, mit der dieses Altdorf seiner wachsenden Bevölkerung neuen Ackerboden erschloss, müsste also auf einer dem Gründerdorf fremden Gemarkung, nämlich der des Hofes auf der Leberen, vorgenommen worden sein. Das könnte dann ohne Schwierigkeit möglich gewesen sein, wenn sowohl Ehingen als auch Mühlhausen damals einen und denselben Herrn gehabt hätten. Dann wäre es auch unschwer erklärbar, wie die Zwing- und Bannrechte des Hofes auf der Leberen auf den neuen Herrenhof übertragen worden sein könnten.

Tatsächlich haben Ehingen und Mühlhausen zumindest im 8. Jahrhundert demselben Herrn gehört: beide Dörfer waren, wie wir hier vorausgreifend einschieben dürfen, anscheinend bis 746 Eigentum der alemannischen Herzogsfamilie. Sie sind es dann mit gewisser Wahrscheinlichkeit auch im 6. und 7. Jahrhundert schon gewesen. Es liegt darum nicht fern, wenn wir bereits hinter der Gründung des neuen Dorfes Mühlhausen auf der alten Hofmark der Leberen einen von der alemannischen Herzogsfamilie geleiteten, planmässigen Siedlungsvorgang suchen.

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