Das alemannische Mühlhausen

Ein Blick auf die Karte ermöglicht auch im übrigen manche Rückschlüsse auf die Frühzeit des Dorfes. Er zeigt insbesondere die entscheidende Rolle, die die alten Wege bei der Abgrenzung der Gemarkung gespielt haben:

Karte Gemarkung Mühlhausen

Wie in Richtung Ehingen so hat Mühlhausen auch gegen das alte Welschingen hin wenig Ausdehnungsmöglichkeiten gehabt. Doch liegt die Gemarkungsgrenze hier immerhin schon 1,5 Kilometer vom Herrenhof entfernt. Die Grenze gegen Welschingen wird im wesentlichen durch zwei Feldwege gebildet, die in den sogenannten „Grafenweg“ einmünden. Auch der Grafenweg hat ein hohes Alter. Erwähnt wird er unter diesem Namen schon in dem Mühlhauser Berain von 1461 15). Obwohl er für Mühlhausen wirtschaftlich fast bedeutungslos ist, da er am Dorf vorbeiführt und nur einen Zipfel der Gemarkung durchschneidet, hat er früher in überörtlichem Rahmen eine gewisse Rolle gespielt. Denn er war das Anfangsstück einer durchgehenden Wegverbindung von Weiterdingen über die Dietfurt nach Ehingen und von da in den Raum von Stockach und Überlingen. Hier hat möglicherweise die Namensdeutung anzusetzen: Weiterdingen und die Burg Hohenstoffeln waren im späten 11. und im 12. Jahrhundert Eigengut der Grafen von Pfullendorf, von denen ein Graf Ludwig unter dem Namen „von Stoffeln“ zwischen 1067 und 1101 mehrfach als Graf im Hegau erscheint 16). Der Kern des pfullendorfischen Gutes lag damals im Linzgau und in Überlingen 17) . Weil der Mühlhauser Grafenweg die kürzeste Verbindung zwischen den pfullendorfischen Besitzungen Weiterdingen / Hohenstoffeln und dem Linzgau darstellte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sein Name auf eine häufige Benützung durch die Grafen von Pfullendorf – Stoffeln zurückgeht 18). Vermutlich ist der Weg als solcher aber älter als sein heutiger Name und ein früherer „Dietweg“ , worauf die in seiner unmittelbaren Verlängerung gelegene „Dietfurt“ 19) am Hepbach hinzudeuten scheint.

15) Z. B. fol. 7 v.
16) Vgl. Karl Schmid, Graf Rudolf von PfuIIendorf und Kaiser Friedrich I. = Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte, Bd. 1, Freiburg 1954, S. 37.
17) Ebd., S. 89 ff.
18) Der Weg gehörte im 11./12. Jh. wie ganz Mühlhausen zum Immunitätsgebiet der Abtei Reichenau, in dem der Graf keinerlei Amtsbefugnisse ausüben durfte. Gerade darum konnte sich eine wiederholte Benutzung des Weges durch den Grafen in der Volkserinnerung und damit in der Namensgebung unschwer niederschlagen.
19) 1461 „Tetfurt“: Berain 10855, fol. 34 r. – Die Dietfurt mit der früheren Mühle gehört politisch zu Ehingen. 1582 ist sie Eigentum derer von Reischach auf Hohenstoffeln (vgJ. Edward Frh. von Hornstein-Grüningen, Die von Hornstein und Hertenstein, Konstanz 1911 ff., S. 262). Wie weit dieser Zusammenhang mit Hohenstoffeln zurückreicht, ist unbekannt.

Print Friendly, PDF & Email

Seiten 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14