Das alemannische Mühlhausen

Nach Südosten stösst die Mühlhauser Gemarkung, wie bereits erwähnt, längs der uralten Strasse nach Singen in einer schmalen Zunge unterhalb des Hohenkrähens bis auf die Singener Gemarkungsgrenze vor, die hier aus der Gegenrichtung der Strasse entlang ebenfalls ein erhebliches Stück über ihre sonstige Linie hinaus vorgeschoben ist. Die Gemarkungsgrenze von Mühlhausen entfernt sich hier. rund 2,5 km vom Herrenhof. Weil die Gemarkungen Mühlhausen und Singen an dieser einen Stelle unmittelbar aufeinandertreffen, werden die zwischen bei den Orten liegenden Gemarkungen Schlatt und Hausen von der an ihnen vorbeiführenden Strasse vollständig ferngehalten. Offenbar ist Hausen – wohl als Tochtergründung von Singen – erst entstanden, als Singen sich den Gebietsstreifen längs der alten Strasse bereits gesichert hatte 20). Entsprechend hat es den Anschein, dass Schlatt, das sich nicht nur durch den geringen Umfang seiner Gemarkung (330 ha), sondern auch durch seinen Namen 21) als etwas jüngere Siedlung ausweist, von Mühlhausen her gegründet worden ist, wobei Mühlhausen sich das Stück an der Straße ebenfalls vorbehielt. Dieser erste Eindruck einer gründungsgeschichtlichen Abhängigkeit des Dorfes Schlatt von Mühlllausen wird durch die Gestalt seiner übrigen Gemarkung bestätigt, die offensichtlich aus früherem Mühlhauser Gebiet herausgeschnitten ist. Die Ausgründung von Schlatt wird wohl im 8. Jahrhundert stattgefunden haben, da auch dieses Dorf schon 787 urkundlich erscheint 22).

Eine späte, vermutlich im 12. Jahrhundert entstandene Abmarkung aus Mühlhauser Gebiet ist ferner die bis 1926 selbständig gebliebene kleine Sondergemarkung um die Burg Hohenkrähen. Sie gehört heute zwar zu Duchtlingen, weist aber in ihren Anfängen klar nach Mühlhausen, und zwar auf den Hof der Leberen. Auf ihre Entstehung wird unten noch einzugehen sein.

20) Hausen hat aber schon alemannische Gräber; vgl. Funk, Frühbesiedelung des Hegaus, aaO., S. 38.
21) Schlatt = „sumpfiges Gebiet“. Vielleicht deswegen bezeichnet der MühlhauserVolksmund die Einwohner von Schlatt als „Bremen (Stechfliegen). Die Ehinger haben den Übernamen „Quaken“ (Krähen), die Mühlhauser selbst bei diesen Nachbarn den Spottnamen „Käfersieder“.
22) Wartmann, Urk. Nr. 111.

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